Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Texte

Hi Leute!

Auf dieser Seite werden sich langsam aber sicher Texte aus meiner Hand sammeln.

Liebe (Variation I: Streit)

Er: Liebe ist Krieg.

Sie: Liebe ist Angst.

Es: [Kommt in diesem Text nicht vor, sagt also auch nichts.]

Er: Ich bin kein netter Mensch.

Sie: Du bist vollkommene Scheiße. Selten in meinem widerlichen Leben sah ich solche Perfektion wie in negativer Art bei dir.

Er: Selten wurde ich über einen längeren Zeitraum verarscht als von dir. Nur einmal. Das ist sehr schade; für dich, meine ich. Du hast nicht den ersten Preis verdient. Der wurde schon vergeben. Spiel mit mir ein Spiel, doch spiel nicht zu offensichtlich oder zu viel! Nun lass ich alle Hoffnung fahrn.

Sie: So lass du die Hoffnung fahrn, das soll mir recht sein, denn mein Taxi fährt auch bald.

Dann war es wieder still im Raum. Die Worte hatten beide angestrengt wie (in glücklicheren Zeiten) zuvor nur legitimer Zeitvertreib. Nun herrschte Stille, herrschte das absolute Nichts, was aus ihren Herzen strömte.

Er saß einfach da und ertrug ihre Verachtung. Mit jedem tiefen Atemzug begann er, ihren Hass mehr zu fühlen und gleichzeitig zu genießen, denn er bedeutete, dass sie ihm Beachtung schenkte. Und wenn sie nur dazu fähig war, wollte er sich damit zufrieden geben. Es war besser als nichts, besser als subjektive Belanglosigkeit.

Da es nichts mehr zu sagen oder tun gab, verließ sie engelsgleich den Raum.

Er saß weiter da und genoss Stille wie Klarheit, die ihn in dieser Minute umgaben.

K., 11.12.2010

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Der Sekretär

Man bot mir eine Stellung in einer Kanzlei, es hieß, der Job sei gut bezahlt und außerdem sehr schön.
Man sagte mir, “Sie haben natürlich alle Rechte dieser Welt”. Ich wusste, das stimmte nicht. Mein Chef würde mehr davon haben. Die Putzfrau würde weniger davon haben, obwohl sie mehr Grips im Kopf hatte als alle führenden Männer dieser Welt. – Sie wusste ihn nur nicht zu gebrauchen. Man hatte es ihr abgewöhnt.
Es gibt Leute, die sagen, mit Fluor würde der Mensch systematisch dumm gemacht. Fluor sei auch in Glücklichmachern drin, mit denen Patienten in Anstalten unauffällig gemacht wurden. Aber das stimmt nicht. Es ist die Sozialisation, die uns dumm macht.
Ein Mädchen bekommt beigebracht, zu fühlen statt zu denken. Also denkt es später nur noch Schlechtes. Und die Mutter ist es im Falle der mir leider untergebenen Putzfrau, die ihr gesagt hat, sie als Frau könne in der Welt nichts sagen. Das machten die Männer. Sie darf jetzt nicht jammern. Ihre Eltern haben für sie entschieden, dass sie nie wirklich emanzipiert sein wird. Sie kann nur noch ein Opfer oder eine hasserfüllte Feministin sein. Denken kann sie nie. Das geht auch vielen Männern so. Es kommt auf die Rolle an, der wir einerzogen wurden. Es kommt nie aufs Geschlecht an. Das Geschlecht ist egal. Der Hass zwischen Mann und Frau ist anerzogen, von Liedern über verlorene Liebe, von Genesis’ “Domino”, abgeguckt. Sozialisation, sie geschieht niemals in der Schule oder im Puppentheater. Sie geschieht dann, wenn ein Kind aufwacht, weil es etwas freiwillig macht. Ins Puppentheater wurde mein Chef nur geschleift als er ein Kind war. Er fand schon immer den Teufel die schönste Figur. Das ROT hatte es ihm angetan.
Als ich so Tag ein Tag aus in der Kanzlei saß, sinnlose Dinge machte…
da wünschte ich mir oft nichts sehnlicher, als dass es eine Stufe unter der Putzfrau gäbe und ich diese Stufe ausfüllen könnte mit all meiner Dummheit.
Die sinnlose Leere des Lebens will ich in mir und um mich herum vermehren. Mit nichts ausfüllen. Weil nichts da ist.
Aber ich habe Verantwortung, ich bin ein Sekretär, ich muss wissen, wie man einen Brief frankiert. Ich lese keine großen Stücke. Mein Chef ist fast so dumm wie seine Eltern. So ist es immer. Die Menschheit entwickelt sich weiter. Alles wird besser. Auch die Flugzeuge und Bomben. Wie schön!
Briefe dritteln muss ich den ganzen Tag. Stempel hier und da. Freundlich sein, so tun als sei mein Leben schön. Doch es ist schrecklich, noch etwas tun zu müssen. Zu wissen, dass immer noch ein grauer Tag am Horizont steht, nachdem ich ins Bett gegangen bin.
Ich weiß, die Putzfrau hat es besser als ich. Denn ich muss denken, kann nicht aufhören, und so sehr ich mich bemühe, grabmäßige Ruhe in mir einkehren zu lassen, die letzten Hoffnungen auf Blumen und Schleier mit Händen niederdrücke, so schaffe ich es nicht. Denn die Hoffnung ist stärker.
Es ist wirklich ein Unglück.

K., 1.7.07

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Du

Hinab, hinab den Weg gingen wir; den Pfad bis zu der Stelle, wo er sich mit dem Uferweg, durch einen schmalen Streifen aus Bäumen und Büschen vom Ufer getrennt, vereinigte. Sie fing an langsamer zu gehen, wir waren allein, und drehte sich zu mir um. Unsere Hände lösten sich nicht. Ich spürte, wie sie die Umamung genoss. Wie gern sie mich umschlang! Lauras Wärme durchströmte mich und ich wusste, was ich vermisst hatte. Es war viel zu schön, um überrascht zu sein, dass sie für mich so viel empfand, mich so heiß und innig drücken konnte. Weiter gingen wir; so zärtlich kühlte sich der Tag ab. Sommer. Und nur Gefühle in der Luft, nur wir auf dem Waldweg. Am Wasser; nur wir. Nur wir am Strand, den wir dann erreichten, der Steg, schwazer Kunststoff, und wir saßen da, Stunden vielleicht oder Minuten; sie aß eine Banane und ich beobachtete sie von der Seite. Ihr Mund, ihre dünnen, fast etwas zu dünnen, aber reizvollen Lippen umschlossen das Obst, bevor sie es noch etwas tiefer hinein schob; ihr ganzes Gesicht arbeitete mit – wie bewegend das aussah… Der Himmel war vollkommen gleichmäßig bedeckt und daher sahen wir weder den Sonnenuntergang, noch den Mond, der zunehmend und schon recht voll sein musste. Es gab ein gleichmäßiges Licht, der Abend ging in eine laue Nacht über; wir beobachteten Fledermäuse, bis man sie nicht mehr sehen konnte, weil es zu dunkel war. Da gingen wir den Steg hinab und fühlten bald den angenehm warmen Sand nur noch durch ein großes sehnsüchtig blaues Badetuch, auf dem wir schwammen; wir schwammen in der Dunkelheit, wie im Wasser, sahen das Gesicht des anderen auf uns zukommen, ihre Hände, so zart. Sind wir wirklich zwei?, flüsterte sie, so nah waren wir uns, so gut kannten wir uns, dass die Seelen verschmolzen, uns nur noch die Körper trennten und alles, alles andere als Eines fühlbar war, die Gedanken, die Gefühle, alles teilten wir. Es ist die tiefste, innerste und innigste Geborgenheit, die es gibt, sich fragen zu können, ob man wirklich zu zweit daliegt und dann hauchen zu können: Wir sind eins.
Du, sagten wir, du, ich liebe dich…

Konny; November 2002
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Der Schlag ans Herz

Inspiriert durch Franz Kafka: Der Schlag ans Hoftor

Es war an einem schönen Tag im Mai als ich meiner Freundin zum wiederholten Male sagte, dass sie mir viel bedeutete. Diesmal schlug ich ihr leicht neckisch dabei an die Brust dort, wo im Leib das Herz sitzen muss. Sie spürte da wohl, dass sie Verantwortung hatte, da es von meiner Seite in der Beziehung auf eine sie vielleicht daher bedrückende Weise mehr war als von ihrer. Ich hatte Verlustängste. Sie konnte mich sehr unglücklich machen. Und ich hing an ihr. Das belastete sie.
Sie, die Braungelocke von mir so sehr Geliebte, antwortete auf meine Worte und den liebevollen Schlag, der eigentlich mehr ein Klaps gewesen war, das ist es ja gerade. Es klang, als wäre die Tatsache, dass sie und die Beziehung mir viel bedeuteten, ein wirkliches Problem für sie. Als ich sie dann geküsst, wir uns geküsst hatten und sie von mir wieder abgelassen hatte, sagte sie es tut mir leid. Es war aber über allem Zweifel, dass sie damit nicht meinen gegenwärtigen Zustand meinte sondern das, was mit mir geschehen würde. Zwei Wochen später machte sie Schluss.
Könnte ich noch mit der Zunge küssen? Das ist die große Frage oder vielmehr, sie wäre es, wenn ich noch Hoffnung und Aussicht auf Kontakt hätte.

Konny, September 2002
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Traurig

Da war, Julia, keiner bei mir; und nichts war in der Nähe.
Es ist, als sei keine Zeit vergangen, seit sie mich verließ. Es ist, als würde ich sie wieder lieben, in einem gegenwartslosen Leben, das nur mir gehört; sie wieder lieben oder immer noch. Und es ist, Julia, keiner bei mir; und nichts ist in der Nähe. Und ich liege da, liege auf dem Rücken im Bett und denke an dich. Still, ohne Bewegung, und nur manchmal der dumpfe Ton eines Tropfens, der von meiner Wange auf das Bettzeug fällt. Lautlos weine ich, habe wieder einmal zu viel gedacht, mich zu sehr bemitleidet, es ist einer dieser ruhigen, schlechten Momente; und ich denke an dich in meiner Einsamkeit, morgen schon wird es anders sein, werde ich anders denken, alles wird gut sein. — Was ist wahr?
Wird, Julia, irgend jemand bei mir sein; und etwas in der Nähe?

Konny; November 2002
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Vor dem Einschlafen
inspiriert durch das gleichnamige kurze Prosastück von Kafka

Nach einem weiteren Tag voller unnötiger Sorgen, die man zu spät oder zumindest zu spät mit vollen Bewusstsein als solche erkannt hat, was dann aber auch nicht gleich zur Verdrängung der dummen Sorge führte; an Ende eines solchen Tages:
Am Ende der zum Teil selbstmitleidigen (hatte man nur einen schlechten Tag oder war es immer so? – man weiß es nicht, alles verwischt, es ist nichts mehr klar auszumachen, wenn man nicht denkt, sondern sich nur sorgt) Gedankenströme, die man ebenfalls, nach langer Selbstbelügnerei, zu spät als solche erkannt hat; am Ende des oft wiederholten minutenlangen Eindrucks, des Nächsten Wiese sei diesmal aber wirklich grüner; am Ende dieser ganzen Selbstquälerei, die doch nicht unbedingt selbst erwählt ist, sonst würde man ja aufhören, sich die Qual, die von einem kommt und zu einem wieder zurückkehrt, zu bereiten, oder nicht? –
Nach weiteren vierzehn Stunden wachen Sich- Sorgens um unnötige Dinge, die man am besten einfach laufen ließe, die zu Unrecht, wie sich doch an und für sich schon oft genug bewies, gefürchtete Zukunft betreffend, liegt man vielleicht im Bett und niest, weil die Katze – man hat eine Katzenallergie – auch da ist, und man schiebt sie lieblos, da man an diesem nichtswürdigen Tag wieder alle Liebe für sich selbst aufgebraucht zu haben glaubt, weg, und niest nochmals, vielleicht hat man auch kalte Füße und denkt zu Unrecht „Mistvieh!“, wenn die Katze schnurrt, einen Tyrannen oder eine Tyrannin zu beschwichtigen sucht; doch merkt gegebenenfalls dabei, dass man einen Körper hat, also auch einen richtigen Kopf und eine Stirn, um mit der Hand an sie zu schlagen.

Konny; August 2002

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Hitze

Es ist heiß.
Es ist viel zu heiß. Wir verbennen. Nichts wird gut.- Alles brennt, einsam, in sich ein.
Nichts wird besser. Immer nur diese HItze. Von innen nach außen und zurück.
Es ist heiß. Viel zu heiß.
Die Häuser stehn verlassen da. Menschen schleichen um diese Häuser.
Alles ist gelb. Wie Sand in der Wüste.
Es ist viel zu heiß und alles klebt. Was nicht klebt, ist trocken. Staubtrocken.
Die Hitze fliegt sie an und sie nimmt das abgehackte Bein eines Eichhörnchens.
Auf dem Küchentisch. Im Bett.
Das Bein stinkt schon.
Aber es gibt nichts anderes.
Und die Hitze vergeht nicht.
Keine Sekunde der Befriedigung. Keine einzige.
Keine Sekunde der Entspannung oder des Versinkens in sich selbst.
Dinge, die wir bereuen. Fehler, die wir doppelt machen.
Wenn es doch wenigstens Abend würde.
Doch immer steht die gleiche Sonne am Himmel,
die ewige Zeit rinnt und die Gedanken verfolgen dich
pausenlos, lückenlos.
Ohne Unterlass.
Alles ist gelb und sie kann nicht mehr hinsehen.
Doch die Augen sehen es,
selbst geschlossen.
Immer dieses Gelb, immer diese Hitze.
Und wenn du dich gerade dran gewöhnt hast,
wird es heißer.

von Konny; Anfang 2006

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Versinken

Ich liege im Bett. Ich schließe die Augen in Erinnerung und meine Hand sucht, streift und findet den warmen Widerstand: unerreichbar. Ich liege da und öffne die Augen und schließe sie wieder und schließlich muss ich mich damit abfinden, mich wegzudrehen, ich muss einen Moment auf der anderen Seite liegen. Ich lausche ins warme Dunkel, das doch kalt ist. – Oder bin ich nur innen kalt?
Ich liege im Bett. Ich schließe die Augen und sehe eine Nebelbank, einen dichten Teppich, von dem ich weiß, er birgt das Moor. Der Wunsch meldet sich, dort im Moor, im Nebel zu sein, zu versinken. Es zieht mich aus dem grauen Betonhaus, ich komme mir vor wie im Nebel. Wasser und zäher Schlamm umspülen meine Knöchel. Dann bin ich schon bis zu den Waden versunken. Es ist kalt und zäh. Der Schlamm ist manchmal wie Moos, das mich aufnehmen und bergen, das nur das Beste für mich will. Bloß kälter. Ich versuche zu versinken, meinen Körper durch Treten tiefer in das kalte Geschlacke zu bewegen. Ich schaffe es nicht. Ich kann nicht versinken. Bis zu den Schultern bin ich schon im Sumpf. Bis zu den Schultern – weiter nicht. Weiter geht es nicht. Ich bekomme auch keine Schieflage. Ich stehe auf keinem Untergrund, wenn ich die Füße bewege, tastet es nur im Moorigen. Soll ich etwa so enden? Auf Ewig als halbe Moorleiche? Nie das Ziel erreicht, völlig geborgen zu sein, versunken, entspannt und erstickt, mit kaltem Druck geborgen?
Das Moor nimmt mich nicht auf. Was ich auch tue, ich kann nicht versinken. So sehr ich mich auch anstrenge, ich gewinne einfach keine Tiefe. Bis zu den Schultern und nicht weiter. Es scheint ein Gesetz zu sein. Neben meinem Kopf zerplatzt eine Gasblase. Ich wende ihr den Kopf zu – zu spät. Auf Ewig zu spät. Nie mehr; nie; nie. – Ich kann einfach nicht versinken. Ständig umspült, umquatscht nur der gleiche kaltbraune Schlamm meine Beine, die Oberschenkel, Hüften und Oberkörper; das Kribbeln am Rücken: es ist immer das selbe. Unveränderlich. Ich kann nicht versinken. Ich kann nicht versinken. Mein Kopf starrt geradeaus. Es geht nicht. Ich kann nicht. Ich kann nicht.

Von Konny; September 2002

  • Hi Konny,
    hat sich Deine Handynummer geändert? Ich war neulich in Potsdam und da hab ich an Dich gedacht und wollte mal vorbeischauen. Nun, daß ist ja noch nicht aus der Welt 😉 Bist Du eigentlich bei Facebook? Oder sonst irgendwo im Internet? Kennst Du schon meine neueste Seite (qnote.de)? Wie war Deine Geburtstagsfeier? Was man hier sieht schaut ja sehr gut aus.
    Viele Grüße, Fabian