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Viel Humor und wenig Neues – Jan Hegenbergs Album „Gamer Number 1“

The Nerd Bird sings again! Mit „Gamer Number 1“ erscheint Jan Hegenbergs bereits 5. reguläres Album.

Während die ersten Alben von der Akustikgitarre und Lagerfeuersound geprägt waren und danach eine Phase mit umfangreich besetzter Rockband kam, findet Jan auf dem 5. Album den gesunden Mittelweg. In den Credits sind nur ein Schlagzeug und Bass verzeichnet, Gitarre spielt der Sänger selbst und so ist die Instrumentierung der meisten Songs weder minimalistisch noch pompös.

Ganz war Jan musikalisch in der Band BAM!, die ihn zuvor begleitete, nie angekommen. Daher ist es schön, wieder ein Album mit weniger Musikern zu hören. Doch nur der zweite Teil der Scheibe gibt sich ruhig. Davor lässt man es einfach mit wenigen Instrumenten krachen. Doch der Reihe nach…

Auf dem neuen Album findet man keine Lobeshymne an Gamer als Masse an sich. Der unvermeidbare Stolz-Song heißt „Gamer Number 1“, doch es geht im Opener nur um einen Gamer persönlich. Mit dem kann sich identifizieren, wer will.

Stil beweist der Songwriter und Sänger Jan Hegenberg dann im zweiten Song, der von einer ihm wahrhaft verhassten Person handelt. Doch Jan hat wohl genug Killerspiele gezockt, um seine Aggression zu kanalisieren und „böse“ Zeilen wie „Ich will, dass dir das Eis herunterfällt, wenn du dran leckst“ beweisen, dass Gamer keine gestörten Gesellen sind.

Sehr erfrischend wirkt die Selbstironie im Titel „Henkersmann“, der Rollenspielerromantik mit Worten wie „Ich zieh euch in meinen Bann, weil ich so traumhaft foltern kann“ auf die Schippe nimmt. Überhaupt finden sich in den Songs nun nicht mehr nur Gamerklischees, sondern auch eine größere Portion Ironie als auf älteren Alben (bis auf „Untot auf Urlaub“, welches bereits diese Richtung ankündigte), was außerordentlich gut tut.

So wird uns mit „Gamer Number 1“ ein gelungenes Werk präsentiert, welches viele erprobte Elemente der Vorgänger vereint und besonders von guter Laune strotzt. Die ungeschminkt-authentischen Texte Hegenbergs fänden jedoch auch in einer musikalischen Weiterentwicklung ihren Platz, denn Jans aktueller Wurf bietet in dieser Hinsicht wenig Neues. Rufen wir Jan also ein gepflegtes „Experimentier mehr, du Sau!“ zu und warten ab, was er daraus macht.