Kulturlichter: Spot an für die Kultur!

Katharina macht Wagner verdaubar

Nach 10 Jahren warten trudeln langersehnte Karten ein. Es sind die Meistersinger von Nürnberg in der Wiederaufnahmepremiere der Bayreuther Festspiele am 2. August 2010.

Alles ist perfekt organisiert. Allerdings sollte irgendwer den Bayreuthern die Mähr der am Festspielhaus reichlich vorhandenen Parkplätze austreiben. So umfangreich sind die Parkgelegneheiten auch wieder nicht.

Das Festspielhaus ist rustikal, ja hölzern vom Design her (was am vielen Holz in den Gängen und Treppen liegen mag). In Bayern wusste man bis vor einigen Jahren nicht, dass es auch Gold und roten Samt gibt, was aber zum Vorteil wird. Zum U-Bahnhof- Feeling im Foyer passen die im Vergleich zur U-Bahn äußerst unbequemen Sitze im Parkett allerdings nicht.

Der gesangliche und musikalische Vortrag sind perfekt, was sich aber in einem solchen Haus von selbst versteht und daher nicht weiter besprochen werden muss. Die Darstellung war jedenfalls so schön, dass ich wünschte, Gott wäre noch am Leben um DAS zu sehen.

Da Wagner ziemlich viele und davon einige schöne Melodien im Kopf herumspukten, schrieb er recht lange Opern. So schön es ist, von Arie zu Duett zu Chor zu schweben in einem Meer aus wuchtiger Musik; in der ersten Stunde des dritten Aktes gibt es dann doch einige Längen. Solch ein Riesenbrocken von viereinhalb Stunden Musik muss aufgelockert werden, um verdauber zu sein. Katharina Wagner inszeniert die Oper so kurzweilig es geht, indem sie ständig das Werk selbst auf die Schippe nimmt, ironische Elemente einbaut und die Strenge Wagners in Frage stellt.

Da werden drei Personen, unter anderem ein Dirigent, auf der Bühne in einer Kiste verbrannt. Das echte Feuer ist die einzige Lichtquelle der folgenden Szene. Fünf Personen stehen, an den KKK erinnernd, mit erhobenen Händen um das Feuer. Ihre Schatten tanzen auf der Leinwand dahinter. Und noch weiter dahinter stimmt ein riesiger Chor einen schmalzigen Chor an.

Wenig später müssen natürlich noch zwei Nackte auftreten. Keine Rebelleninszenierung ohne Schniedel! Die Peinlichkeit solcher Momente überwindet nur, wer sich gleichzeitig freut, dass einige alte Schachteln im Publikum sich gerhörig aufregen.

Und dennoch: Die lustige und äußerst ästhetische Inszenierung ist auflockernd wie schaumige Sahne im Kaffee.